Auch die digitale Landschaft kommt den Menschen entgegen. Die zweiteilige, zur Fahrerin gebogene und an den Ecken abgerundete OLED-Bildschirmkombo schafft Geborgenheit und ergibt ergonomisch Sinn, während das optionale Beifahrerdisplay Gleichberechtigung und zwischenmenschliche Eintracht betont. Weitgehend verschwunden sind die einst Audi-typischen klickenden Schalter und metallen rastenden Drehregler. Ersetzt entweder durch Berührbedienung auf dem Bildschirm oder durch Tastenfelder in der Türtafel und auf den Lenkradspeichen. Grosses Kino bietet Audi mit den in die Windschutzscheibe projizierten Anzeigen (HUD). Dort ist richtig was los: Nahendes Tempolimit wird als Verkehrsschild virtuell auf den Asphalt geworfen, bevor es ins Anzeigenfeld schwebt; bei starker Beschleunigung bläht sich die Geschwindigkeitsanzeige auf und springt den Piloten an wie Actioneffekte im 3-D-Kino; dicke rote Pfeilbüschel warnen vor zu nahem Auffahren. Und bei aktiviertem Navi weisen blaue Symbole metergenau in die korrekte Spur.
Höchst sorgsam geht der Elektro-SUV mit dem Transportgut um. Die komfortabel ausgelegte Luftfederung mit radselektiven Passivdämpfern zeigt selbst im «schärfsten» Dynamikmodus viel Gespür für Wellen und Aufbrüche. Im Komfortmodus fährt der Q6 sogar fluffig-wolkig, einem US-Strassenkreuzer von damals nicht fern. Dafür würde man sich eine Spreizung über den Dynamikmodus hinaus wünschen, welche dem tollen Grip- und Traktionsniveau etwas mehr Präzision entgegensetzt. Dazu ein Tipp: Dynamischer als der Q6, nur schon, weil näher am Asphalt und niedrigerem Schwerpunkt, fährt der ansonsten vergleichbar talentierte Audi A6, als Kombi oder Hatchback, wie schon im «Touring» 12/2024-1/2025 beschrieben.
Apropos Bremsen durch Rekuperieren
Stufen der Verzögerung
Lupft man im Q6 den Fuss vom Fahrpedal, kommt die bei Elektroautos übliche Schubrekuperation zum Tragen (auch Segeln ist möglich). Drei Stärkegrade von Verzögerung sind einstellbar, zwei über Paddles am Lenkrad plus die B wie Brake-Einstellung bei der Wahl der Fahrstufe. Benötigt man eine stärkere Verzögerung, kommt das Bremspedal ins Spiel.
Zuerst hinten, dann vorn
Vorerst verstärkt man mit dem Bremspedal die Rekuperation weiter. Gemäss Audi ist eine Rekuperationsleistung von bis zu 220 Kilowatt pro angetriebene Achse möglich, mit der die Batterie aufgeladen wird. Dabei aktiviert der Dynamikzentralrechner (HCP1 genannt) zuerst die Rekuperation auf der Hinterachse. Bei mehr Pedaldruck kommt die Vorderachse hinzu.
Zuerst vorn, dann hinten
Beim noch stärkeren Bremsbefehl kommen die vorderen Reibbremsen hinzu. Wird die Bremsanforderung weiter gesteigert, unterstützen, bis hin zum ABS-Einsatz, die hinteren Bremsen. Dieses achsindividuelle Brems-Blending wird über den HCP1, der auch auf das Fahrwerk zugreift, abgewickelt und nicht wie zuvor über ein Bremsregelsystem.
Text: Daniel Riesen